Wir haben unsere Website rechtzeitig zum Beginn der neuen Boccia-Saison umgestaltet. Im modernen Design präsentieren wir fortan alle wichtigen Informationen über den 1. Boccia-Club Offenburg...
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Geschichte des 1. Boccia-Club Offenburg

  • um 1898/99

    Erste iItalienische Gastarbeiter für die Spinnerei und Weberei bringen das Boccia-Spiel nach Offenburg.

    1929, (11. Juli)

    Gründung des ➠ 1. Boccia-Club e.V. Offenburg (Kronenwiese) unter Vorsitz von Josef Sator.

    1933, 18. November

    Auflösung des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg durch die NSDAP (Gleichschaltungsgesetz).

    1945, 15. Februar

    Amerikanische Fliegerbomben zerstören das Gasthaus "Krone" und die angrenzenden Wirtschaftsgebäude.

    1945 - 1949

    Das Gasthaus "Krone" wird von der französischen Militärkommandantur als Unteroffizierskasino genutzt.

    1948, 19. Dezember

    Wiedergründung und Zulassung des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg durch die französische Militärkommandantur.

    1949

    Wiedereröffnung des Gasthaus "Krone". Die Wagner-Brauerei (Eigentümerin) sowie die Pächterin stellen hinter dem Gasthaus eine geeignete Fläche für den Bau einer Boccia-Bahn kostenlos zur Verfügung.

    1949

    Einweihung einer ersten Boccia-Bahn hinter dem Gasthaus "Krone".

    1950er Jahre

    Erste Planungsanalysen zum städtebaulichen Umgestaltungskonzeptes der Kinzigvorstadt erreichen den 1. Boccia-Club offenburg.

    1957

    Der 1. Boccia-Club e.V. Offenburg gewinnt den Boccia-Wanderpreispokal der Wagner-Brauerei Offenburg.

    1976, 15. Dezember

    Um 08:30 Uhr wird das Gasthaus "Krone" abgerissen.

    1981, 10. Dezember

    Die Wagner-Brauerei Offenburg kündigt den Pachtvertrag für das Gelände "Kronengarten" an der Fischerstraße.

    1982, 31. März

    Der 1. Boccia-Club e.V. Offenburg verlässt das Gelände "Kronengarten" an der Fischerstraße.

    1982, Oktober

    Der 1. Boccia-Club e.V. Offenburg erhält das westliche Gelände am südlichen Mühlbach (Flst-Nr. 2624) von der Minigolf-Anlage im Bürgerpark in der Stegermattstraße 30.

    1983, 01. Januar

    Der Pachtvertrag für das Gelände am südlichen Mühlbach mit der Stadt Offenburg wird unterzeichnet.

    1983, September

    Einweihung und Eröffnung der neuen Boccia-Anlage am südlichen Mühlbach in der Stegermattstraße 30.

    1984

    Erweiterungsbau am Vereinsheim.

    1985, April

    Einweihung einer zweiten Boccia-Spielbahn (4 x 22 Meter) mit Überdachung.

    2015/16

    Sanierung der Boccia-Hauptspielbahn.

    2019, 07. September

    90-jähriges Vereinsjubiläum (11. Juli 1929).

  • Boccia – die italienische Variante des Boule-Spiels – bringen südeuropäische Zu- und Einwanderer bereits vor der Jahrhundertwende in das Deutsche Kaiserreich. Nach dem Ersten Weltkrieg, als italienische Spezialisten zum Bau von Straßen und Tunnels in das Deutsche Reich kommen, vermehrt sich ihr Nationalsport rasant. Die italienischen Zuwanderer bleiben meist in regionalen Gruppen unter sich. Oft sprechen sie nur den Dialekt ihrer Herkunftsregion und suchen wenig Kontakt mit Landsleuten aus anderen Regionen oder Einheimischen. Umso stärker wirkt aber ihr Zusammenhalt in regionalen Gruppen. Für viele der italienischen Männer gibt die Heirat mit einer deutschen Frau den Anstoß, sich hier niederzulassen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs ziehen aber die meisten Italiener wegen ihrer Einberufung zum Militärdienst oder auch aus Furcht, der Krieg könne eine spätere Heimkehr verhindern, umgehend nach Italien zurück. Die Zahl ihrer im Deutschen Kaiserreich sinkt bis 1918 rasant ab. Nach Kriegsende mit dem Sturz der Monarchie erschwert die neue Reichsregierung die Zuwanderung neuer ausländischer Gastarbeiter.

    Der Eisenbahnbau macht Offenburg zum Verkehrsknotenpunkt der Großherzoglich-Badischen Staatseisenbahn an der Eisenbahnstrecke Mannheim – Basel und zum attraktiven Standort für viele Industriebetriebe. Leder- und Tabakfabriken siedeln sich ebenso an wie Spinnereien und Webereien. Die im Jahre 1857 gegründete Spinnerei und Weberei AG in Offenburg versucht erstmal im Jahre 1898 ihren hervorgetretenen Arbeitskräftemangel mehr und mehr mit auswärtigem Personal von tirolisch-italienischen Arbeiterinnen herbeizuschaffen. Die Angeworbenen stammen zu diesem Zeitpunkt meist aus Nord-Italien und sind Kolonisten (= Siedler), die in Offenburg eine neue Wahlheimat finden. Sie werden vor allem für die Produktion und Herstellung von Garnen und Tuche (= konfektionierte Stücke von Stoffen) gebraucht, aber sind bei den Einheimischen eher unbeliebt.

    In den kommenden Jahren arbeiten auch italienische Männer in der Spinnerei und Weberei. In der Kronenstraße entstehen für die Gastarbeiter große Wohnblöcke von der Geschäftsleitung der Spinnerei und Weberei. Unter der armseligen Habe der Bewohner dieser Arbeitersiedlung befinden sich in den meisten Fällen auch Boccia-Kugeln, mit denen sie sich im geselligen Spiel nach Feierabend und am Sonntag auf dem freien Gelände um das (ehemalige) Holz-Feuerwehrhaus auf der Kronenwiese ausgiebig beschäftigen. Schlachtrufe wie "Punto", "Volo" oder "Raffa" zeugen von ihrer italienischen Herkunft. Es sind unter ihnen wahre Meister, die selbst auf weite Distanz mit tödlicher Treffsicherheit eine „Caramella“ (= Bonbon) anbringen. Diesen Menschen verdanken wir heute die Entstehung des 1. Boccia-Club Offenburg. Die Vielzahl ihrer Namen fällt der Vergessenheit zum Opfer, aber einige leben in der Geschichte des Vereins und in dankbarer Erinnerung weiter. Unter ihnen, die wir nicht vergessen sollen, sind die Gründungsmitglieder Silvio Zorzi, Paul Tschann (Friseur), Peter Turri sen. sowie sein Sohn der Zementwarenfabrikant David Turri und der erste Vorstand aus dem Gründungsjahr des 1. Boccia-Club Offenburg – *Josef Sator.

    * [Es muß irgendwann um den Anfang der 1900er Jahre gewesen sein, was sich einmal am ➠ Brunnen am Lindenplatz in Offenburg zugetragen hatte...]

    • 1. Boccia-Club Offenburg
      Kronenwiese
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      Kronenwiese
    Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieg am 28. Juli 1914 nimmt vorläufig auch die Bocciaromantik in der Kinzigvorstadt ein Ende und wird von der Wucht des Krieges niedergeschmettert. Erst 15 Jahre später, als die große Arbeitslosigkeit ins deutsche Land bricht, erinnern sich Einige an den beliebten und in Vergessenheit geratenen Präzisionssport und schreiten im Jahre 1929 (der 11. Juli konnte bisher als überliefertes Gründungsdatum nicht eindeutig ermittelt werden) unmittelbar zur Gründung des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg. Das Bild kurz nach der Vereinsgründung, mit der steigenden Arbeitslosigkeit, zeichnet auch die ernste Lage im neugegründeten Verein wieder, als in Erinnerung des Spiels der Italiener zunächst sogar mit Steinen zu werfen versucht wird, bis endlich ein alter Satz Boccia-Kugeln aufgetrieben wird. Rasch gewinnt das „Spiel mit den Kugeln“ auch Zugang zu den Offenburger Bürgern und hat zunehmend Freunde in allen Stadtteilen, welche bis zu diesem Zeitpunkt „nur“ neugierige Zuschauer auf der Kronenwiese sind. Im Jahre 1930 steht der allseits in Offenburg bekannte *Josef Sator dem Verein als Vorsitzender vor.

    * Josef Sator wurde am 09. Februar (März) 1902 geboren und war ein typischer Kinzigvorstädtler. Als kleiner Lebenskünstler verdiente er sich sein Taschengeld mit Gitarrenspiel und Gesang. Mit 14 Jahren absolvierte er eine Schriftsetzerlehre beim Bühler Tageblatt und in einer Akzidenzdruckerei (= Gelegenheitsdruck) in Kehl. Nach Beendigung der Lehre trat er im Jahre 1920 in den Buchdruckerverband ein und arbeitete ab 1924 als Buchdrucker bei den Offenburger Zeitungsverlagen (ab 1936 Reiff/ab 1945 Offenburger Tageblatt). Josef Sator wohnte in jungen Jahren in den Arbeiter-Blocks bei der alten Spinnerei und verbrachte mehr Zeit auf der Kronenwiese und den umliegenden Boccia- und nahen Sport- und Fußplätzen (Stegermattsportplatz des Offenburger FV) als auf seinem Arbeitsplatz.

    * [Josef Sator und seine vielseitige, aktive sportliche Betätigung schufen ihm die Unterlagen für seine 20-jährige Tätigkeit als Sportberichterstatter in der Tagespresse. Diese Beschäftigung brachten auch sein ➠ Pseudonym "Dorle" ein...]

    Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 tritt auch das Gleichschaltungsgesetz in Kraft. Der Begriff der nationalsozialistischen Terminologie hat zur Folge, daß alle Vereine, welche nicht der Wehrertüchtigung beitragen, verboten werden. Alle Vereine und Verbände sind fortan in den Dienst des nationalsozialistischen Gedankens unterstellt. Dieser Eingriff hat für die Organisationsstruktur der Sportvereine folgenschwere Auswirkungen und es beginnt eine Phase der Ungewissheit. Alle Sportvereine stehen nun unter der Verwaltung einer einzigen Parteigruppe. Als am 06. März 1933 um 6:34 Uhr am Morgen mit den Klängen des Horst-Wessel-Liedes zum ersten Mal die Hakenkreuzfahne über dem Offenburger Rathaus weht, kommt auch in unserer Stadt die Gleichschaltung zur Anwendung. Die Auswirkungen des Gleichschaltungsgesetzes belastet fortan das sportliche und gesellschaftliche Klima im Verein. Am *18. November 1933 trifft es auch den 1. Boccia-Club Offenburg. Kripobeamte des Landeskriminalpolizeiamtes Offenburg kommen auf den Boccia-Platz auf der Kronenwiese um ihre vollzugspolizeiliche Tätigkeit mit dem „Abtransportieren der Spielkugeln“ nachzugehen. Da der Sack für die Kugeln aber geschickt versteckt wird, müssen die Beamten die Kugeln mit den Händen forttragen.

    * [18. November 1933: An dieser Stelle eine kurze Erklärung über die damaligen Geschehnisse und zur Auflösung des 1. Boccia-Club Offenburg: Aus der folgenden Überlieferung von Dr. Alfred Osthof (Schachvereinigung Offenburg) wurde der als "bürgerlich" bezeichnete Boccia-Club nicht wegen seiner politischen Gesinnung ein Opfer der Zeit des beginnenden Nationalsozialismus. Im Gasthaus „Krone“ trafen sich neben den Boccia-Spielern auch Mitglieder des damaligen Schachklubs, ebenso Vertreter eines Arbeiter-Turnvereines aus Offenburg (gemeint ist hier nicht der Turnverein von 1846). Dieser Arbeiter-Turnverein war als „Nest von Kommunisten“ bekannt und wurde von den Nationalsozialisten sofort aufgelöst. In diesem Zusammenhang traf es vermutlich auch den 1. Boccia-Club Offenburg.]

    Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieg erschweren zahlreiche Einberufungen zum Wehrdienst ein geordnetes Leben in der Stadt. Schon seit Wochen und mit geradezu präziser Genauigkeit um jeweils 7:00 Uhr am Morgen fliegen Jagdbomber vom Westen herkommend, die es besonders auf die zwei Kinzigbrücken abgesehen haben, ein. Zur Abwehr haben auf den Kinzigwiesen und am Kinzigdamm einige leichte Flakeinheiten (= Flugabwehr) Stellung bezogen. Am Abend des 15. Februar 1945 schlagen amerikanische Fliegerbomben durch zwei Jagdgeschwaderangriffe in unmittelbarer Nähe der Kinzigbrücke ein und zerstören Teile des Gasthauses "Krone" und deren angrenzenden Stallungen (u.a. auch Eisen-Moser, Gasthaus „Schwanen“, Bäckerei Hillenbrand).

    Schon tagelang hat man in Offenburg auf den Einzug der alliierten Streitkräfte gewartet und die letzten Stunden haben noch teilweise heftigen Widerstand der Wehrmachttruppen der 19. Armee (AOK 19 = Armeeoberkommando 19) gesehen. Die Menschen hegen die Hoffnung, daß eher die Amerikaner die Stadt besetzen, denn sie hatten einen besseren Ruf als die Franzosen. Unter den Einwohnern überwiegt die Angst vor dem, was nun kommt und die Sorge um die Zukunft. Die NS-Propaganda hat bis zum Schluß die Bevölkerung zum Durchhalten aufgefordert. Beim Einmarsch der Franzosen erinnern sich viele an die Erfahrung vom 11. Januar 1923, als Offenburg rund eineinhalb Jahre (bis 18. August 1924) unter einer strengen französischen Besatzung leiden muß. Am Sonntag des 15. April 1945 – zwischen 3:00 Uhr und 4:00 Uhr nachmittags – marschieren Einheiten des 23. Französischen Kolonial-Infanterie-Regiments (Panzereinheit) von Norden herkommend kampflos in unserer Heimatstadt ein. Somit mehr als drei Wochen vor der endgültigen Kapitulation Deutschlands. Um 4:00 Uhr nachmittags übergibt Ratschreiber Hermann Isenmann die militärische und administrative Gewalt an die neuen Besetzer.

    (Copyright 2020 - Sven Steppat)

    Hinweis: Die ausführliche Vereinschronik des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg finden Sie hier zum ➠ Download (PDF-Datei)...

  • Am Sonntag des 15. April 1945 marschieren Einheiten des 23. Französischen Kolonial-Infanterie-Regiments (RICM = Régiment d'infanterie coloniale du Maroc/Panzer-Grenadierbrigade) kampflos unter Capitaine Dejean in Offenburg ein und übernehmen die militärische und administrative Gewalt. In der Stadt überwiegt die Angst vor dem, was nun kommt. Bei dem Einmarsch der Franzosen erinnern sich viele an die Erfahrung von 1923, als Offenburg unter einer strengen französischen Besatzung leiden mußte.

    Leid und Entbehrung haben die Schrecken des Dritten Reiches und der Zweite Weltkrieg auch nach Offenburg gebracht und wenn organisatorische und sportliche Leistungen im Verlauf unserer Vereinsgeschichte besondere Anerkennung verdienen, dann muß die Zeit des Wiederaufbaus besonders erwähnt werden. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 08. Mai 1945 war der Krieg auf deutschem Boden endgültig beendet.

    • 1. Boccia-Club Offenburg
      Im "Kronengarten" hinter dem Gasthaus Krone
    • 1. Boccia-Club Offenburg
      Im "Kronengarten" hinter dem Gasthaus Krone
    • Krone
    • David Turri - Fliesenfachgeschäft
    Viele Sportkameraden sind gefallen, vermisst, in Gefangenschaft oder haben sich schwere Verwundungen zugezogen. Hunger, trostlose Armut oder Hoffnungslosigkeit – überall. Wer denkt da schon an Sport? Die Nachkriegsjahre hinterlassen auch beim 1. Boccia-Club Offenburg erhebliche spuren. Zunächst bleibt der Verein, welcher am 18. November 1933 bereits durch die NSDAP aufgelöst wurde, verboten. Die französische Militärkommandantur läßt alle Sportvereine in der Stadt (Verordnung für das Sportvereinswesen in der französischen Besatzungszone. Es gelten in der Folge die Vorschriften der Verordnung Nr. 33 vom 04. Februar 1946 – „Anweisung betreffend das Stellen von Anträgen auf Genehmigung zur Gründung eines Sportvereins“ und die Anordnung Nr. 40 vom 04. Februar 1946 – „Anordnung der Alliierten Kommandantur Berlin (BK/O (47) 66): Zulassungsverfahren für nichtpolitische Organisationen“) „noch“ verbieten.

    Unmittelbar nach dem Krieg und als sich das Leben so langsam wieder normalisiert, packen die Wirtsleute Pfeifle mit viel Energie den Wiederaufbau des zum Teil zerstörten Gasthauses „Krone“ an. Die angrenzenden großen Wirtschaftsgebäude und Stallungen bauen sie nicht wieder auf. Zunächst benutzen die Franzosen das Gasthaus zeitweise als Unteroffizierskasino. Nach der Freigabe der „Krone“ stellen die Wagner-Brauerei als Eigentümerin sowie die Pächterin dem 1. Boccia-Club Offenburg eine Fläche hinter dem Gasthaus zum Neubau einer Boccia-Anlage kostenlos zur Verfügung. Die treuen Mitglieder bauen bis zum Frühjahr 1948 den freien Platz an der Fischerstraße aus. Es entsteht zunächst eine nicht überdachte Sandbahn unter fachmännischer Anleitung von David Turri. Gelegen unter Schatten spendenden Kastanienbäumen ist diese ein Anziehungspunkt für Jung und Alt.

    Gespielt wird nun im "Kronengarten" an der Fischerstraße. Seit 1929 betreiben die Wirtsleuten Georg und Anna Pfeifle, später übernimmt Tochter Lore Pfeifle, das beliebte Gasthaus der Wagner-Brauerei am Stadteingang von Offenburg. Das Gasthaus ist für Alt-Offenburger ein Symbol der Zeit, als das Wort Gemütlichkeit noch zum bürgerlichen Alltag gehört. Es ist das Bindeglied zwischen Stadt und Land, in unmittelbarer Nähe zur Kronenwiese und Landwirtschaftlichen Halle.

    Am 20. September 1948 geht ein schriftliches Gesuch zur Wiedergründung des 1. Boccia-Club Offenburg bei der Militärregierung ein. Hauptbestandteile des Schreibens vom Bürgermeisteramt Offenburg sind: Antrag auf Wiedergründung, eine Liste der Gründungsmitglieder und der Statutenentwurf. Ferner je drei Bescheinigungen über die politische Säuberung und polizeiliche Führungszeugnisse sowie Bescheinigungen, daß über die moralische Führung der Gründungsmitglieder nichts Nachteiliges bekannt ist. Eine für den 26. September 1948 geplante Wiedergründerversammlung im Gasthaus „Zauberflöte“ findet nicht statt. Die eingereichten Unterlagen von der Stadtverwaltung Offenburg an die höhere Delegation in Freiburg liegen dort zur Prüfung über die Genehmigung zur Wiedergründung des 1. Boccia-Club Offenburg noch vor. Somit findet die Wiedergründung des 1. Boccia-Club Offenburg erst am 19. Dezember 1948 im Gasthaus „Alte Pfalz“ statt und der Verein kann langsam wiederbelebt und betrieben werden. Die erste Vereinsführung nach der Wiedergründung setzt sich zusammen: Josef Maier (1. Vorstand), Fritz Kiefer (2. Vorstand), Rudolf Hoffmann (Hauptkassierer), Albert Piuma (Schriftführer), Emil Seebacher (Platzkassierer), Johann Zander (Platzwart) sowie den beiden Beisitzern Ludwig Noriller und Josef Schley.

    Bereits in den 50er Jahren erhält der 1. Boccia-Club Offenburg von der Stadt eine erste Planungsanalyse zum städtebaulichen Umgestaltungskonzept der Kinzigvorstadt. Somit begibt sich die Vereinsführung unter Vorsitz von Albert Piuma und später durch Franz Schneider frühzeitig auf Platzsuche und ziehen mehrere Grundstücke in Betracht: Ein Gelände neben dem Gasthaus „Salmen“ (Angelgasse), rechts neben dem Schlachthof entlang „Am unteren Mühlbach“, bei der Seilerei Österle in der Kronenstraße (heute Burda Druckerei) oder eine städtische Fläche im Gebiet „Untere Bannbösch“ stehen zur Auswahl.

    "Mit viel Geschick und einem treffsicheren Auge schieben und schmettern die Spieler ihre Kugeln und wenn erst eine gelungene „Caramella“ in das Ziel trifft, findet dies die Bewunderung der Teilnehmer und Zuschauer. Die Schlachtrufe wie "Punto", "Volo" oder "Raffa" erinnern immer wieder an die italienische Herkunft dieser beliebten Sportart."

    Im „Kronengarten“ finden jährlich die großen Vereinsturniere – das Osterpreisturnier, die * Königsspiele und das Nicco-Turri-Gedächtnisturnier – statt. Aber immer mehr beschäftigen sich die Mitglieder fortan mit der quälenden Frage, wie lange sie noch über ihre traditionelle und im Laufe der Jahre verbesserte Platzanlage verfügen können. Längst haben die Stadtplaner Vorsorge getragen und einen ruhigen Bereich längst des Mühlbaches reserviert. Dabei kursieren Mitte der 1970er Jahre sogar Gerüchte um einen Neuaufbau der "Krone" in unmittelbarer Nähe zum alten Standort. Erste Planungen entstehen durch die Architekten Fritz Weis und Wilhelm Schäfer. Sie werden allerdings rasch und vehement dementiert.

    * [Königsspiele (Königsturnier): Das traditionelle "Königsturnier" war ein Ganzjahres-Turnier, welches seit der Vereinsgründung im Jahre 1929 jährlich ausgetragen wurde. Die "Königsspiele" fanden im Modus Einzel (Individuale – Eins gegen Eins) und einer Teilnehmerzahl zwischen 20 und bis zu 25 Spielern statt. Am Ende des Jahres – meist zur Weihnachtszeit – wurde der "Boccia-König" und die weiteren Teilnehmer mit Preisen geehrt. Die Königsspiele zogen in den Anfangsjahren immer mehr begeisterte Zuschauer an.]

    (Copyright 2020 - Sven Steppat)

    Hinweis: Die ausführliche Vereinschronik des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg finden Sie hier zum ➠ Download (PDF-Datei)...

  • Bereits in den 50er Jahren erhält der Boccia-Club von der Stadt Offenburg eine erste Planungsanalyse zum städtebaulichen Umgestaltungskonzept der Kinzigvorstadt und immer mehr beschäftigen sich die Mitglieder des 1. Boccia-Club Offenburg fortan mit der quälenden Frage, wie lange sie noch über ihre traditionelle und im Laufe der Jahre verbesserte Platzanlage verfügen können.

    Der Bauboom der 70er und 80er Jahre macht nun auch vor der Kinzigvorstadt nicht mehr halt. Durch die Neutrassierung der Hauptstraße und Neuplanung „Kinzigvorstadt-Wiede“ verkauft die Wagner-Brauerei das Gasthaus „Krone“ an die Stadt Offenburg. Diese reißt das beliebte Wirtshaus an der Hauptstraße am 15. Dezember 1976 um 8:30 Uhr ab. Das 1792 erbaute Gebäude ist nach 184 Jahren Bestand in wenigen Stunden von Baggern in einen Schutthaufen verwandelt. Viele Jahre kämpft die Wagner Brauerei für den Fortbestand, aber ihr Abbruch ist durch den zunehmenden Verkehr und der Begradigung der Stadteinfahrt erforderlich. Mehr als fünf Jahre spielen die Mitglieder noch im „Kronengarten“ und treffen sich anschließend zu geselligen Runden im neuen Vereinslokal im „Salmen“ (Hauptstraße). Am 10. Dezember 1981 übergibt die Wagner-Brauerei die Kündigung für die kostenlos überlassene Nutzung des Geländes an der Fischerstraße an den 1. Boccia-Club Offenburg zum 31. März 1982.

    Nach dem Eingang des Kündigungsschreibens im Dezember 1981 finden erste Gespräche mit der Stadt Offenburg über die Zuweisung eines neuen Spielplatzes statt. Als Ersatz für die "weggeplante" Boccia-Anlage erhält der Verein das westliche Stück vom Gelände (Flst-Nr. 2624) der bereits bestehenden Minigolf-Anlage im Bürgerpark. Der Verkehrsverein Offenburg e.V. erklärt sich im Oktober 1982 bereit und stellt von seinem als Minigolf-Anlage genutzten städtischen Pachtgelände ein ausreichend großes Areal von ca. 750 Quadratmetern dem 1. Boccia-Club Offenburg zur Verfügung.Flst-Nr. 2624 - Boccia-Anlage Im Laufe der Jahre verschwindet nicht nur das Boccia aus der Kinzigvorstadt, auch die alte Infrastruktur, Jahrmärkte auf der Kronenwiese, Lebensmittelgeschäfte, Metzger Wehrle, Kurzwaren Knobloch, die Bäcker Hillenbrand und Ohnemus, der Milchladen Spinner, die Gasthäuser „Krone, Schwanen, Wiede und Grüner Baum“ werden für die Bewohner weggeplant – um nur einige zu nennen.

    Am Mühlbach an der Stegermattstraße blüht seit Anfang der 80er Jahre ein reges Vereinsleben. Das eingeebnete Grundstück nutzte die dort ehemals ansässige Dampf-Wäscherei Alois Ilg. Vermutungen zu Folge wurde auf dem Gelände vor der Waschmaschine mit Brett, Bürste und Aschenlauge gearbeitet und gebleichte Wäsche zum Trocknen (Rasenbleichen) ausgebreitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg reist die Stadt Offenburg auch das Sonnen- und Flußbad der Frauenbadeanstalt und das in unmittelbarer Nähe gelegene Schülerbad ab. Die Treppen vom "Bad im Schleiergrün“ sind bis heute erhalten.

    Auf dem nun neu gepachteten Gelände steht anfangs nichts. Kurzum – die Vereinsmitglieder umzäunen das Gelände neben der bereits bestehenden Minigolf-Anlage im Bürgerpark, bauen in wenigen Wochen die erste Boccia-Bahn in einem Größenverhältnis von 4 x 18 Meter und einen massiven Steinbau für die Nutzung als Vereinsräumlichkeiten mit Ausschankbereich und kleineren Lagermöglichkeiten. Der Offenburger Bauunternehmer Ludwig „Louis“ Fischer stellt für diese Arbeiten Transport- und Bautechnik sowie Baumaterial zur Verfügung. Im März 1983 erteilt der Verkehrsverein Offenburg e.V. die kurzzeitige Genehmigung zur „Benutzung der WC-Anlage“ im Minigolf-Gelände. Zwischenzeitlich erkennt die Stadtverwaltung, daß es von baurechtlicher Seite notwendig ist und drängt darauf eine eigene Toilettenanlage innerhalb des Boccia-Vereinsheims zu installieren. Bereits im September 1983 und nach kurzer Bauzeit weiht der Verein die neue Boccia-Anlage mit Vertretern der Stadt Offenburg ein. Die veranschlagten Gesamtbaukosten für den Neubau des Vereinsheims und der Boccia-bahn betragen rund 63.000 Mark. Der neue Pachtvertrag (Pachtvertrag ab 01. Januar 1983) gestattet nun auch die Unterhaltung einer vereinsinternen Kantine. Fortan gibt es für die Vereinsmitglieder nicht nur Getränke, sondern auch kleinere Speisen. Da kaum Lagerkapazitäten vorhanden sind, vergrößert der Verein im Jahre 1984 mit dem Anbau eines separaten Nutzungsraumes mit Kühlung seine Lagermöglichkeiten. Außerdem kommt eine Unterstellmöglichkeit für Werkzeug und Objektpflege hinzu.

    Durch die stetig steigende Mitgliederzahl und im Zuge einer zukunftsorientierten Vereinsentwicklung reicht eine Boccia-Bahn nicht mehr aus. Vorsitzender Werner Lott, beschäftigt als Betonprüfer bei der Firma TBM Transportbeton in Elgersweier, und ein befreundeter Bautechniker planen für die Zukunft. Zuerst wird Grunderde (bis zu einem Meter) abgetragen. Verdichtungsmaterial, Kies, Sand und als Letzteres eine feine Oberdeckschicht aufgetragen. Diese letzte Schicht kommt vom „Großen Deich“, denn ein Hochwasser zu jener Zeit spülte feinen Sand an das linke Kinzig-Ufer. Im Handumdrehen holt Dachdeckermeister Paul Zimmermann den feinen Sand mit einigen Wagenfuhren an seinen späteren Verwendungsort in die Stegermattstraße. Diese letzte Schicht mit einer sehr feinen Körnung ist das i-Tüpfelchen auf der neuen Boccia-Bahn.

    Um diese Tatkraft für einen langen Zeitraum und auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, beschließt der Verein die Überdachung der neuen Anlage. Die Mitglieder, allen voran Hans Spitzmüller, August Ludäscher und Willi Kiefer, opfern viel Arbeits- und Zeitaufwand für die Entstehung ihrer neuen Spielbahn. In fleißiger Mithilfe durch die Vereinsmitglieder bekommt die neuen Boccia-Bahn im Jahre 1985 noch ein Dach oben drauf. In vielen Stunden Eigenarbeit und rechtzeitig zum Osterturnier am 06./07. April 1985 hat der 1. Boccia-Club Offenburg dies erreicht.

    Regelmäßig trägt der 1. Boccia-Club Offenburg die vereinseigenen Turniere – Frühjahrs-, Gedächtnis-, Vereins-, Doppel- und das Senioren-Turnier – aus. Neben dieses Turnieren findet auf dem Vereinsgelände an der Stegermattstraße auch die offenen Boccia-Stadtmeisterschaft der Damen und Herren statt. Die überdachte Spielbahn garantiert hierbei bei jeder Witterung optimale Verhältnisse. Im K.O.-System geht es um den Stadtmeister-Titel der Stadt Offenburg im direkten Vergleich. Alle Teilnehmer/-innen erhalten eine Erinnerungsurkunde und einen Sachpreis von der Stadt Offenburg verliehen. Die Turnierbesten werden mit einem Pokal ausgezeichnet.

    In den Sommerferienwochen können Ferienkinder im Rahmen des jährlichen Ferienangebotes der Stadt Offenburg ihr Geschick bei diesem italienischen Nationalsport erproben. Mit großem Interesse lauschen die kleinen Gäste den fachkundigen Erklärungen über Abwurftechnik und Spielregeln. Bei den ersten „Wurfversuchen“ sind etwas Geduld, ein gutes Auge und Konzentration erforderlich, um die großen Kugeln genau an die kleine weiße Spielkugel zu platzieren.

    Eine Menge vom südlichen Flair dieser beliebten Freiluftsportart ist hier bis heute erhalten geblieben. Damals wie heute – Boccia spielen heißt Zusammensein, aktive Bewegung und Wettkampf – verbunden mit viel Spaß. Auf unserer Vereinsanlage besteht die Möglichkeit, unter fachkundiger Anleitung erste Wurfversuche im Boccia-Spiel zu wagen. Spezielle Voraussetzungen sind nicht notwendig. In der Regel braucht ein Anfänger etwa ein Jahr um die Abläufe einigermaßen zu beherrschen. Somit ist etwas Geduld gefragt, um nicht vorzeitig aufzugeben. Diese gesunde Freizeitsportart kann von jung bis alt ausgeübt werden. Wie schwer oder leicht Boccia wirklich ist, können Interessierte bei uns erfahren. Neben dem eigentlichen Freizeitsportbetrieb wird mit geselligen Veranstaltungen die Kameradschaftspflege betrieben.

    Neben dem eigentlichen Freizeitsportbetrieb wird mit geselligen Veranstaltungen die Kameradschaftspflege betrieben. Der 1. Boccia-Club Offenburg gehört heute zu den ältesten und erfolgreichsten Vereinen in Offenburg.

    (Copyright 2020 - Sven Steppat)

    Hinweis: Die ausführliche Vereinschronik des 1. Boccia-Club e.V. Offenburg finden Sie hier zum ➠ Download (PDF-Datei)...

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Über den 1. Boccia-Club Offenburg

Boccia – die italienische Variante des Boule-Spiels – brachten italienische Zu- und Einwanderer bereits vor der Jahrhundertwende in das Deutsche Kaiserreich. Bereits seit über 90 Jahren wird auch in unsere Heimatstadt das „Spiel mit den Kugeln“ betrieben. Seit der Gründung im Jahre 1929 kann unser Verein auf eine beachtliche Erfolgsgeschichte zurückschauen.

  1. Boccia-Club e.V. Offenburg
  77652 Offenburg, Stegermattstraße 30
  +49 (781) 2 45 14
  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  •   Montag - Sonntag  15:00 - 20:00 Uhr
  •   Sonntag  10:00 - 13:00 Uhr

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